Vor etwa einem Monat hat Jens Brinksten (CEO von KMD in Polen) einen Artikel in der Zeitschrift Danish Computerworld veröffentlicht mit dem Titel „Zu viel Nachlässigkeit beim Sourcing – seien Sie sorgsam bei den Vorbereitungen“ (”There is too much carelessness with sourcing – do the preparatory work properly”). In diesem dänischen Artikel listet Jens Brinksten eine Anzahl kritischer Themen auf, die seiner Meinung nach viele Unternehmen vernachlässigen, wenn sie mit Sourcing beginnen.

Es ist ein guter Artikel, doch anders als Jens Brinksten habe ich schon viele Unternehmen kennengelernt, die sich gut vorbereitet haben und ihre Hausaufgaben hinsichtlich ihres Sourcings und dem, was sie damit erreichen wollen, gemacht haben – so wie beispielsweise das Unternehmen KMD seine Lage eingeschätzt hat, bevor dort der Beschluss gefasst wurde, dass statt einer Sourcing-Option eine eigene KMD-Entwicklerzentrale in Polen das Richtige sei.
Auf der einen Seite sollten Sie die Vorteile auflisten, die Sie haben, wenn Sie alles auf eigene Faust machen. Auf der anderen Seite sollten Sie sich jedoch auch der Nachteile bewusst sein, die dies mit sich zieht.

Kontrolle und Sicherheit

Wenn sich ein Unternehmen dazu entschließt, ein eigenes Entwicklerzentrum zu eröffnen, wurden höchstwahrscheinlich einige entscheidende Faktoren bezüglich der nötigen Kontrolle und Sicherheit in diese Entscheidung mit einbezogen. Wenn ich beispielsweise die Entwicklung eines bestehenden Produktes weiterführen sollte, bei dem die integrierte Software auf einer vollkommen neuen IT-Technologie mit dem Potenzial, neue Marktanteile zu gewinnen, basiert, würde ich dann die Entwicklung dieses Produktes auslagern? Oder würde ich es vorziehen, die Kontrolle In-House zu belassen und das Entwicklerteam selbst zusammenstellen? Würde ich es möglicherweise vorziehen, die wichtigen Positionen wie den IT-Architekten intern zu besetzen und die restlichen Stellen des Teams outzusourcen?

Innerhalb des rechtlichen oder vertraglichen Aspekts kann sich ein Unternehmen auch darauf beschränken, Subkontraktoren für ein bestimmtes Projekt, für spezifische Kunden oder in einer bestimmten Branche zu verwenden, wie etwa der Verteidigungs- oder der medizinischen Industrie. Es gibt auch Fälle von Unternehmen, die innerhalb bestimmter Zulassungen arbeiten und bei denen es zu kompliziert wäre, ein Subunternehmen in die Zulassung, Zertifizierung oder ähnliches einzubeziehen.

Wie oben angeführt kann es mehrere kritische Fälle geben, in denen eine interne Regelung die beste Lösung ist. Intern muss jedoch nicht zwingend „in diesem Land“ bedeuten – ein Unternehmen kann, wie auch KMD, eine Niederlassung im Ausland eröffnen und die Vorteile niedrigerer Löhne genießen, während es trotzdem die Sicherheit und die Kontrolle über die Prozesse behält.

Synergie und Kompetenzen

Was geht verloren, wenn Sie alles selbst regeln, anstatt externe Mitarbeiter einzustellen? Sie verlieren Synergie und flexible und kostengünstigen Zugang zu Kompetenzen.
Möglicherweise braucht das Unternehmen zusätzliche Ressourcen oder einen Spezialisten für einen bestimmten Zeitraum während des Entwicklungsprojektes? Gibt es vielleicht Aufgaben, die für eine Person zu viel sind, für zwei jedoch zu wenig? Gründet ein Unternehmen sein eigenes Entwicklerzentrum, muss es Überkapazitäten zahlen und die Kosten selbst decken. Beim Outsourcing können Sie die Kosten mit anderen Unternehmen teilen und von zwei Vorteilen profitieren: Skalierung und Flexibilität.

Das Unternehmen kann mit Hilfe des Sourcing-Partners beispielsweise 5 Stunden Beratung über eine Datenbank kaufen. Wenn das Unternehmen einen bestimmten Prozess braucht, ist der Sourcing-Partner in der Lage, den Prozess als eine Dienstleistung zu liefern, die nicht durch das Unternehmen selbst durchgeführt werden muss. Wenn Sie Ihre eigene Tochterfirma gründen, entfallen diese Möglichkeiten.

Der Besitzer oder Manager eines wachsenden Unternehmens kann sich nicht ausschließlich auf die Mitarbeiter konzentrieren, Sie brauchen auch Kapazitäten und Flexibilität. Auch das physikalische Umfeld ist ausschlaggebend für Wachstum; Büro, Mensa, IT-Equipment und Infrastruktur. Dieselben Faktoren sind wichtig während einer Verkleinerung, da das Unternehmen für alle rechtlichen und wirtschaftlichen Pflichten verantwortlich ist.

Hier stimme ich Jens Brinksten zu, der die Wichtigkeit hervorhebt, sich die Vor- und Nachteile von Outsourcing vor Augen zu führen. Meiner Erfahrung nach werden diese Überlegungen jedoch nicht vernachlässigt oder übersehen, was zu einer falschen Entscheidung dahingehend führen könnte, ob ein Outsourcing durchgeführt werden sollte oder nicht.

Für KMD war es die richtige Entscheidung, sich in Polen niederzulassen, obwohl sie erst die Kompetenzen erarbeiten mussten, ein Unternehmen in Polen zu führen. Kompetenzen die aus meiner Sicht nichts mit dem Kerngeschäft von KMD, der Entwicklung von IT-Lösungen, zu tun haben. Es wäre einmal interessant, ihre heutige Meinung zu dieser Entscheidung zu hören.

Carsten Hansen
About Carsten Hansen

CEO, Conscensia, cha@conscensia.com